Mit ZaiNar betritt ein Unternehmen die Bühne, das die Art, wie wir Menschen, Fahrzeuge und Gegenstände orten, grundlegend verändern möchte. Statt auf GPS, Kameras oder spezielle Sensoren zu setzen, nutzt ZaiNar vorhandene Funknetze und entwickelt daraus eine neue Form der Physical AI. Laut Unternehmensangaben hat ZaiNar nach neun Jahren Entwicklung eine Plattform vorgestellt, die bereits mit über 100 Millionen US-Dollar finanziert wurde und mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet wird.
Während klassische künstliche Intelligenz Daten analysiert oder Texte erstellt, verbindet Physical AI die digitale Welt mit der realen Umgebung. Eine Physical-AI-Plattform soll kontinuierlich wissen: wo sich Menschen befinden, wo Fahrzeuge unterwegs sind, wo sich Maschinen bewegen, wo Werkzeuge liegen und wie sich Objekte in Echtzeit verändern.
Ziel ist eine digitale Echtzeit-Abbildung der physischen Welt.
Nach Angaben des Unternehmens verwandelt ZaiNar bestehende Funknetze in ein grossflächiges Sensorsystem. Dabei sollen vorhandene Signale genutzt werden, um Positionen zu bestimmen – ohne: GPS, Kameras, Satelliten, zusätzliche Sensorik und hohen Energieverbrauch auf den Endgeräten. Das System analysiert stattdessen Veränderungen von Funksignalen und kombiniert diese mit KI-Algorithmen. Im Gegensatz zu klassischen WLAN-Ortungssystemen möchte ZaiNar nicht nur erkennen, ob sich jemand bewegt, sondern möglichst präzise bestimmen, wo sich Personen oder Objekte befinden.
Sollte sich die Technologie im grossen Massstab bewähren, wären zahlreiche Anwendungen denkbar: Smart Cities, Verkehrssteuerung, Personenströme analysieren, Rettungsdienste unterstützen, Industrie, autonome Roboter koordinieren, Werkzeuge lokalisieren, Lagerverwaltung automatisieren, Gesundheitswesen, Patienten orten,
Stürze erkennen, Logistik, Pakete verfolgen, Gabelstapler koordinieren, Container in Echtzeit lokalisieren, Verteidigung und Katastrophenschutz und Navigation ohne GPS, Ortung in Gebäuden.
GPS stösst häufig an seine Grenzen: innerhalb von Gebäuden, in Tunneln, zwischen Hochhäusern, unterirdisch sowie in Industrieanlagen. ZaiNar möchte genau dort eine Lösung bieten, wo Satellitensignale unzuverlässig oder gar nicht verfügbar sind.
Mit einer Technologie, die Bewegungen über bestehende Funknetze erfassen kann, stellen sich zwangsläufig Fragen zum Datenschutz: Wer hat Zugriff auf die Positionsdaten? Werden Personen dauerhaft verfolgt? Wie anonym sind die Daten? Können Bewegungsprofile erstellt werden? Welche gesetzlichen Grenzen gelten? Gerade wenn vorhandene Funkinfrastrukturen zur Ortung genutzt werden, wird Transparenz über Datenerhebung und -verarbeitung besonders wichtig.
Für Aufmerksamkeit sorgt auch der Kreis der Unterstützer. Nach Angaben des Unternehmens gehören unter anderem bekannte Persönlichkeiten aus der Technologiebranche zu den Investoren oder Beratern, darunter:
- Steve Jurvetson (SpaceX-Board-Mitglied)
- Jerry Yang (Mitgründer von Yahoo)
- Tom Gruber (Mitgründer von Siri)
- Jaan Tallinn (Mitgründer von Skype)
- Andreas Weigend (ehemaliger Chief Scientist bei Amazon)
ZaiNar steht für einen Trend, der sich bereits in Technologien wie CSI-Sensing, WhoFi und anderen Funk-basierten KI-Systemen abzeichnet: Drahtlose Netzwerke entwickeln sich von reinen Kommunikationssystemen zu Sensoren, die ihre Umgebung erfassen können. Sollten die technischen Versprechen des Unternehmens in der Praxis bestätigt werden, könnte dies die Navigation, Logistik, Robotik und das Gebäudemanagement nachhaltig verändern. Gleichzeitig wird entscheidend sein, wie Datenschutz, Transparenz und der verantwortungsvolle Umgang mit Ortungsdaten geregelt werden.
Wollen wir wirklich in so einer Welt aufwachen und warum müssen eigentlich Maschinen in einer Zeit wo Robotik so fortschreitet die ganze Zeit wissen wo wir uns befinden. Allenfalls um uns zu jagen/auszulöschen?
